Synästhesie

Auch wenn ich persönlich noch keine Synästhesie bei mir wahrgenommen habe, taucht dieser Begriff doch in Verbindung mit Menschen auf, die in der Lage sind intensiver und vielfältiger Informationen jeglicher Art wahrzunehmen.

Was genau bedeutet Synästhesie?

Syn ist eine griechische Vorsilbe und bedeutet  miteinander, zusammenwirken 

Ästhesie ist das Empfindungsvermögen 

 

Mehrere Sinne sind gleichzeitig und miteinander aktiv.

Sehen, riechen, schmecken, hören, tasten. 

Im ganz engen Sinn wird nur beim tasten etwas oder jemand berührt.

Im weiteren Sinn berühren unsere Augen gesehene Informationen, z.B. Buchstaben, ein Schmetterling oder ein Auto. Die Autogeräusche berühren unser Ohr. Die Abgase vom Auto berühren unsere Nase. Und der Apfelgeschmack 😉 berührt unsere Geschmacksknospen auf der Zunge.

Bei manchen Menschen kombiniert deren Gehirn zwei Sinneskanäle gleichzeitig, wenn ein Sinneskanal angetriggert wird. Das ist dann der führende Sinneskanal.

„Wie viele Leute haben Synästhesie?
Die vorsichtigeren Schätzungen in Hinsicht auf die Verbreitung des Phänomens gehen von 4% der Bevölkerung aus.1 In Deutschland sind das immerhin 3,2 Millionen Menschen.“

deutschen Gesellschaft für Synästhesie

ein paar Beispiele:

Auf der US-Seite http://www.daysyn.com/Types-of-Syn.html erfasst Sean Day Zuschriften von Synästhetikern und erstellt damit eine Statistik über Synästhesien, die Menschen auf der ganzen Welt an sich bisher wahrgenommen haben. 

Er schreibt dazu:

Es gibt mindestens 80 verschiedene Arten von Synästhesien:

Die Daten basieren auf Angaben von 1143 einzelnen Synästhetikern. Die angegebenen Zahlen sind der Prozentsatz der Synästhetiker, die den angegebenen spezifischen Typ haben, nicht den Prozentsatz der Allgemeinheit. Etwa 3,7% der Bevölkerung haben irgendeine Form von Synästhesie. So ist zum Beispiel das Verhältnis der Menschen mit „Graphemes-zu-Vision“ -Synästhesie zur Gesamtzahl der Allgemeinbevölkerung etwa 1 zu 44 Personen; oder es gibt derzeit etwa 162 Millionen Menschen auf der Welt mit „Graphem-to-Vision“ Synästhesie (z. B. „farbige Buchstaben und Zahlen“).

 1 zu 44.

In einer Schulklasse befinden sich meist zwischen 20-30 Kinder. So ein Kind ist oft allein in der Schule mit seiner angeborenen Fähigkeit. Und kann von den anderen Kindern, auch den meisten Lehrern nicht verstanden werden. Z.B. Buchstaben oder Zahlen in einer bestimmten Farbe ausmalen, die aber nicht zur eigenen dafür vergebenen Farbe passen. … Daraus können negative Erlebnisse des Unverstandenfühlens resultieren, deren Erinnerungen daran oft durch ähnliche Erlebnisse in späteren Jahren immer mal wieder bewusst hochkommen und ansonsten im Unterbewusstsein stets den Menschen begleiten. Auch als Erwachsenen.

Erst mit der Kenntnis über die Besonderheit und dass eben nicht jeder Mensch so wahrnimmt, mit dem Annehmen seiner besonderen Fähigkeiten können die Anker dieser Erinnerungen aufgelöst werden.

Fühlst du dich gerade angesprochen?

Fragt in deiner Familie nach, ob sich dort jemand findet, der auch eine Synästhesie hat. Das ist sehr wahrscheinlich.

Ich habe euch die Liste von Sean übersetzt, damit ihr euch unter den Begriffen etwas vorstellen könnt. Denn er zählt mehr als nur die 5 Sinne auf.

Die Prozentwerte von seiner Seite sind mit Stand vom 01.04.2019. 

Die vier bisher am häufigsten vorkommenden Synästhesien habe ich euch fett markiert. 

Liste der Synästhesie-Kombinationsmöglichkeiten

EnglischDeutsch
emotionEmotion
flavorsAromen, Geschmack
general soundsallgemeine Klänge in Kombination mit
farbigen Visionen
 16,2%
grapheme personificationpersonifizierte Buchstaben (Buchstaben mit Persönlichkeit, Charaktereigenschaften zickig, nett,..)
graphemesGrapheme (bestimmter Buchstabe eines geschriebenen Wortes, z.B. „S“ bei Sprache und „SCH“ bei Schrift) in
Kombination mit Farbe   61%
kineticsKinetik – Geschwindigkeit einer Bewegung
lexemeLexem (Im engeren Sinn ist ein Lexem die
Bedeutungseinheit eines Wortes. (Hier fett
geschrieben)(ich) lache, (du) lachst, (er) lacht,
(wir) lachen, (ihr) lacht, (sie) lachen)
mirror speechSpiegelrede
mirror touchSpiegelberührung
musical noteMusiknoten
musical soundsMusiktöne in Kombination mit farbigen
Visionen  18%
non-graphemic ordinal personificationnicht graphemische ordinale Personifikation
numbersNummern
object personificationObjektpersonifizierung
odorsGerüche
orgasmOrgasmus
painSchmerzen
personalityPersönlichkeit
phonemePhonem (bestimmter Laut in einer gesprochenen Sprache, z.B. sch bei Sprache und Schrift)
proprioceptionWahrnehmung von Körperbewegung und Körperlage im Raum oder der Lage einzelner Körperteile zueinander
soundsKlang
spatial loc, sequenceräumliche Ort, Sequenz 
temperaturesTemperatur
ticker-tape (a paper strip on which messages are recorded in a telegraphic tape machine.)Papierstreifen mit telegraphischen Nachrichten
time unitsZeiteinheiten und Vision 23% 
touchBerührung
vision / colorVision / Farbe

 

Kennt ihr Rémy?

Für alle, die sich gerade besonders über die farbigen Visionen kringelig lachen, und auch für alle anderen habe ich einen Link zu YouTube. Kennt ihr die Ratte Rémy aus Ratatouille? Beim Genuss von Erdbeeren und Käse entsteht eine farbige Geschmacksexplosion in verschiedenen Formen in seinem Kopf. Und genau das ist eine Beispiel für eine farbige Geschmacks-Formen-Synästhesie.

Ratatouille – Synesthesia – HD – FX Animation by Michel Gagné

 

Dich interessiert noch mehr dazu?

https://www.eliane-reichardt.com/synaesthesie Eliane ist ebenfalls Synästhetikerin. Bei ihr habe ich viel darüber gelernt.

Hier habe ich noch ein paar Links zu anderen YouTube Videos und Synästhesieseiten.

Synästhesie – die geheime Superkraft

Gelbe Dienstage und blaue Fünfen 

Synästhesie – Ein Informationsvideo von AshZaharr

Seite der Deutschen Synästhesiegesellschaft e. V.

Blog der Uni Bern mit diversen Testserien

kostenloser Test (auf englisch)

Auf www.synesthesia.com gibt es auch eigens erstelle Meditationen für Synästhetiker ( kostenfreie und kostenpflichtige)

Bunte Welten – Ein Ausflug in die Synästhesie

https://de.wikipedia.org/wiki/Syn%C3%… (Wikipedia zum Thema Synästhesie)

1 Simner, J., Mulvenna, C., Sagiv, N., Tsakanikos, E., Witherby, S., Fraser, C., et al. (2006). Synaesthesia: the prevalence of atypical cross-modal experiences. Perception 35, 1024–1033.